Grundsolide
Man bedenkt ihn zwar stets mit warmen Worten, gehört wird er jedoch eher selten. So will es mir wenigstens scheinen, kann ich mich doch kaum daran erinnern, in meiner (zugegeben) kurzen Zeit hier, auch nur ein Skrowaczewski-Cover gesehen zu haben. Und dabei ist sein Bruckner doch einer der überzeugendsten auf dem breiten Bruckner-Markt. Die Achte, die 1993 in der Kongresshalle Saarbrücken mit dem RSO Saarbrücken aufgenommen wurde, macht da keine Ausnahme.
Das ist alles klar strukturiert, was Skrowaczewski dem Hörer hier vor’s Ohr bringt, doch ohne dabei akademisch hunterbuchstabierend zu wirken. Keine überflüssigen interpretatorischen Sperenzchen, aber auch kein bloßes Taktschlagen. Kein weihevolles Wabern, kein zackiges Durchgepresche. Immer natürlicher Fluss, natürliches Anschwellen, natürliches Zurücknehmen, ein Atmen lassen der Musik selbst, keine persönlichen Manierismen, alles stets dem Werk und der Darstellung des großen Ganzen dienend.
Skrowaczewski lässt sich Zeit das musikalische Gebäude Schicht für Schicht aufzubauen, Entwicklungen aufzuzeigen, Höhepunkte organisch und für den Hörer gut nachvollziehbar aufzubauen, sodass er eine Fähigheit offenbart, die nicht jeder Dirigent mitbringt: er ist im besten Sinne nicht nur Erzieher des Orchesters, sondern auch des Publikums.
Fazit ist: Ich stehe hier und kann nicht anders. Es bleibt mir nichts übrig, als diese Einspielung rundheraus und rundherum loben zu müssen. Wollte ich mäkeln (was man ja bekanntlich immer kann), so würde ich sagen, dass der Streicherklang des RSO Saarbrücken etwas mehr Ton und Körper haben könnte und dass das Blech bisweilen doch sehr weit vorne ist. Aber seien wir mal ganz ehrlich: das tut der Aufnahme überhaupt keinen Abbruch.