Majgull Axelsson: Die Aprilhexe, Flexibler Einband
Die Aprilhexe
- Roman
- Originaltitel: Aprilhäxan
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- Übersetzung:
- Christel Hildebrandt
- Verlag:
- btb, 11/2001
- Einband:
- Flexibler Einband
- ISBN-13:
- 9783442724727
- Umfang:
- 511 Seiten
- Copyright-Jahr:
- 2001
- Gewicht:
- 438 g
- Maße:
- 192 x 118 mm
- Stärke:
- 32 mm
- Erscheinungstermin:
- 15.11.2001
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Kurzbeschreibung
Vier Frauen, vier Schicksale, vier Lebensentwürfe: Majgull Axelssons triumphal gefeierter Roman erzählt die Geschichte von vier Schwestern, die nach langen Jahren des Schweigens auf eine außergewöhnliche Weise wieder zueinander finden.
Beschreibung
Desirée kommt schwerstbehindert zur Welt. Gelähmt, stumm und spastisch krampfend wird sie in eine Anstalt für geistig Behinderte abgeschoben, denn in ihrem missgestalteten Körper vermutet man eine missgestaltete Seele. Doch Desirée ist eine hoch intelligente Frau, und obwohl sie weder gehen noch sprechen kann, weiß sie die Welt auf ihre Art zu erkunden. Denn Desirée ist eine Aprilhexe sie hat die wundersame Fähigkeit, ihren verkrüppelten Körper zu verlassen, hinter dem Auge eines Vogels Platz zu nehmen und den Tierkörper dazu zu zwingen, sich dorthin zu bewegen, wohin sie will: in die Welt ihrer Schwestern. Ihre drei Schwestern, die eigentlich ihre Pflegeschwestern sind, wissen nichts von ihrer Existenz. Doch eines Tages bekommt jede von ihnen einen Brief, der sie zwingt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Margareta, die Physikerin, Christina, die Ärztin, und Birgitta, die Alkoholikerin. Mit ihren anonymen Briefen legt Desirée den Finger auf Wunden, die noch längst nicht verheilt sind ... Majgull Axelsson hat mit ihrem Buch nicht nur in Schweden Furore gemacht, sie eroberte auch das deutsche Publikum im Sturm. »Die Aprilhexe« ist eine faszinierende, äußerst spannende Geschichte; daneben spricht die Autorin zutiefst weibliche Themen an, elementare Erfahrungen, die Frauen nur all zu gut kennen, die ihnen jenseits aller sozialen, beruflichen und persönlichen Unterschiede vertraut und gemeinsam sind: die Konkurrenz zwischen Frauen, die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern, die gesellschaftliche Ausgrenzung von Menschen, die irgendwie anders sind. Dies alles erzählt Axelsson anhand der Lebensgeschichte von vier Schwestern von denen nur die eine, die »Behinderte«, eine leibliche Tochter der gemeinsamen Mutter ist. Sie ist es auch »Desirée, die Ersehnte« , die sich auf einen Rachefeldzug gegen ihre drei Pflegeschwestern macht, weil sie herausfinden will, wer ihr die Liebe ihrer Mutter gestohlen hat, welches der drei Mädchen das Schicksal bekommen hat, das ihr zugedacht war ...
Auszüge aus dem Buch
Wer bist du?« fragt meine Schwester. / Sie ist empfindsamer als die anderen, nur sie erspürt meine Anwesenheit. Jetzt sieht sie aus wie ein Vogel, wie sie dasteht, mit gerecktem Hals, und in den Garten späht. Sie trägt nur einen grauen Morgenmantel über dem weißen Nachthemd, und anscheinend spürt sie nicht, daß der Nachtfrost noch anhält. Der Morgenmantel ist offen, der Gürtel hängt nur noch in einer Schlaufe. Er liegt wie eine dünne Schwanzfeder hinter ihr auf der Küchentreppe. / Sie wendet den Kopf in einer ruckartigen Bewegung, lauscht in den Garten und wartet auf eine Antwort. Als die nicht kommt, wiederholt sie, jetzt ängstlich und mit schriller Stimme: / »Wer bist du?« / Ihr Atem bildet kleine weiße Federbüschel. Das steht ihr. Sie ist ein ätherischer Typ. Wie Nebel, dachte ich bereits beim ersten Mal, als ich sie sah. Das war an einem heißen Augusttag vor vielen Sommern, lange Zeit bevor ich ins Wohnheim gezogen bin. Hubertsson hatte dafür gesorgt, daß ich ins Freie gebracht und unter den Schatten eines großen Ahorns gestellt wurde, kurz bevor die Ärztekonferenz im Versammlungsraum des Krankenhauses beginnen sollte. Wie zufällig stieß er auf dem Parkplatz mit Christina Wulf zusammen, und wie ganz zufällig überredete er sie, die große Rasenfläche zu überqueren, auf der ich saß. Ihre Pumps sanken tief in das weiche Gras, und als sie auf den Kiesweg gelangte, blieb sie stehen, um zu kontrollieren, ob sich auch keine Erde unter den Sohlen festgesetzt hatte. Erst da bemerkte ich, daß sie Strümpfe trug, trotz der Hitze. Eine nette Bluse, einen halblangen Rock und eine Strumpfhose. Alles in verschiedenen Weiß- und Grautönen. / »Deine große Schwester ist so eine Dame, die sich die Hände in Chloramin wäscht«, sagte Hubertsson, bevor er sie mir gezeigt hatte. Oberflächlich betrachtet war das eine gute Beschreibung. Aber nicht ausreichend. Als ich sie das erste Mal sah, erschien sie mir so verschwommen, was Farbe und Form betraf, daß es aussah, als würden die Gesetze der Materie nicht für sie gelten, als könne sie wie Rauch durch geschlossene Fenster und verschlossene Türen gleiten. Einen Augenblick glaubte ich, Hubertssons Hand würde direkt durch ihren Arm greifen, als er ihr sie entgegenstreckte, um sie zu stützen. / Was an und für sich gar nicht so außergewöhnlich wäre. Wir vergessen immer wieder, daß das, was wir Naturgesetz nennen, nur unsere einfältigen Ansichten von der Wirklichkeit sind, die doch viel zu kompliziert ist, als daß wir sie verstehen könnten. Wie beispielsweise die Tatsache, daß wir in einer Wolke von Teilchen leben, denen die Masse fehlt, von Photonen und Neutronen. Und daß die gesamte Materie - auch die im menschlichen Körper - zum größten Teil aus einem Vakuum besteht. Der Abstand zwischen den Teilchen der Atome ist ebenso groß wie der Abstand zwischen einem Stern und seinen Planeten. Eine Oberfläche und Festigkeit entstehen also nicht durch die Teilchen an sich, sondern durch das elektromagnetische Feld, das sie zusammenhält. Die Quantenphysik hat uns außerdem gelehrt, daß das allerkleinste Element der Materie nicht nur ein Teilchen ist. Es ist außerdem eine Welle. Gleichzeitig. Und darüber hinaus haben einige davon die Fähigkeit, sich zur gleichen Zeit an verschiedenen Stellen zu befinden. In einer Mikrosekunde probiert das Elektron seine möglichen Positionen aus, und während dieses einen Augenblicks sind alle diese Möglichkeiten wirklich. / Das heißt: Alles fließt. Wie bekannt. / Vor diesem Hintergrund gesehen, ist es nicht weiter erstaunlich, daß einige von uns die Gesetze der Physik durchbrechen können. / Aber als Hubertssons Hand Christina erreichte, während sie auf einem Bein stand und ihre Sohle begutachtete, zeigte es sich, daß sie feste Konturen hatte, wie alle anderen Menschen auch. Seine Hand ergriff ihren Arm und blieb dort. / Sie ist im Laufe der Jahre nicht weniger durchsichtig geworden; immer noch sieht sie aus,
Biografie (Majgull Axelsson)
Majgull Axelsson, geboren 1947, ist eine der renommiertesten Journalistinnen Schwedens und erhielt mit dem Augustpriset die wichtigste Literaturauszeichnung ihres Landes. Axelsson, die Astrid Lindgren als ihr Vorbild bezeichnet, lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in Väsby.Biografie (Christel Hildebrandt)
Christel Hildebrandt, geboren 1952 in Lauenburg, studierte Germanistik, Soziologie und Literaturwissenschaft und wandte sich nach der Promotion der skandinavischen Literatur zu. Seit 1988 arbeitet sie als freie literarische Übersetzerin aus den Sprachen Norwegisch, Dänisch und Schwedisch. Sie erhielt den Paul-Celan-Preis nominiert wurde. Daneben reicht die Palette ihrer Übersetzungen von Henrik Ibsen bis zu Håkan Nesser, Jógvan Isaksen und Hanne Marie Svendsen. Mit ihrem Mann, drei Töchtern und einer Katze lebt Christel Hildebrandt in Hamburg.Anmerkungen:
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