Anne B. Ragde: Einsiedlerkrebse, Fester Einband
Einsiedlerkrebse
- Roman
- Originaltitel: Eremitkrepsene
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- Übersetzung:
- Gabriele Haefs
- Verlag:
- btb, 06/2008
- Einband:
- Fester Einband
- ISBN-13:
- 9783442751679
- Umfang:
- 318 Seiten
- Copyright-Jahr:
- 2008
- Gewicht:
- 534 g
- Maße:
- 223 x 144 mm
- Stärke:
- 33 mm
- Erscheinungstermin:
- 13.6.2008
Weitere Ausgaben von Einsiedlerkrebse |
Preis |
|---|---|
| Buch, Kartoniert / Broschiert, Lesebändchen, mit Lesebändchen | EUR 10,00* |
| Buch, Kartoniert / Broschiert | EUR 12,00* |
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Kurzbeschreibung
Drei ungleiche Brüder, ein maroder Bauernhof und die Frage, wie man mit einem Familiengeheimnis lebt, das jeder kennt, aber niemand auszusprechen wagt ...
Beschreibung
Die furiose Familiensaga geht weiter: Nach dem Tod der Mutter werden auf Hof Byneset die Karten neu gemischt. Die Brüder Margido und Erlend meiden den heruntergekommenen Familienhof nahe Trondheim. Beide führen auf ihre Weise ein erfülltes Leben. Während Margido, ein Bestattungsunternehmer, seinen Beruf mit fast religiöser Hingabe zelebriert, genießt der schwule Schaufensterdekorateur Erlend das Leben in vollen Zügen. Die beiden ahnen nicht, dass sich auf dem maroden Hof, auf dem sie gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Schweinezüchter Tor, eine triste Kindheit verbracht haben, eine Tragödie anbahnt. Seit dem Tod der Mutter und dem schockierenden Geständnis des Vaters, dass er nicht ihr leiblicher Vater, sondern selbst ein Halbbruder seiner Söhne ist, bewirtschaften Tor und der seit jeher verhasste und immer schrulliger werdende Vater den Hof alleine. Tors Tochter Torunn versucht in dem konfliktgeladenen Verhältnis zu vermitteln, doch die Männer gehen sich so gut es geht aus dem Weg. Als Tor seine Tochter eines Abends zur Entscheidung zwingen will, den Hof zu übernehmen, eskaliert die Situation...
Auszüge aus dem Buch
Sie wurde sonst nie so früh wach. Sie blieb mit weit offenen Augen in dem dunklen Schlafzimmer liegen und lauschte auf seine Geräusche. Zuerst das hektische Klingeln des Weckers, das so schnell abgewürgt wurde, wie es angefangen hatte, sicher hatte er schon darauf gewartet. Es war halb sieben, das wusste sie. Danach war es für einen kurzen Moment still, und dann hörte sie, wie seine Zimmertür sich lautlos öffnete, um ebenso lautlos wieder geschlossen zu werden. Darauf folgten leise Geräusche, von der Tür bis zum Badezimmer. Er wusste, dass Fremde im Haus waren, und er wollte keinen Lärm machen, denn sicher hielt er sie dafür. Fremde, die hier eigentlich nichts zu suchen hatten, die herkamen, störten, sich einmischten und die Jahre voller schlichter Routine und Sicherheit störten. / / Sie kannte ihren Vater nicht. Im Grunde wusste sie nicht, wer er war. Wie er als Junge ausgesehen hatte, als Kind oder in ihrem eigenen Alter. Auf dem Hof gab es nicht ein einziges Fotoalbum. Es war wie eine Geschichte, von der sie nie ein Teil gewesen war, in deren Zentrum sie sich aber nun plötzlich aufhielt. An diesem Tag jedoch würde sie abreisen und sich wieder in ihre eigene Geschichte einklinken. Daran dachte sie, als sie hier lag, dass sie abreisen würde, ehe sie ihn kennengelernt hatte. Der Einzige, den sie kannte, war der Schweinezüchter, der, der sich so gern im Stall einschloss, dessen Stimme sang und lebendig wurde, wenn er von den Eigenheiten der verschiedenen Sauen erzählte, von den frechen Streichen der Ferkel, von den großzügigen Würfen und den Wachstumskurven. Im Stall sah sie ihn, im Stall war er vorhanden, wenn er in seinem verdreckten Overall dastand und sich in die Koben bückte, um eine Sau von einer Vierteltonne hinter den Ohren zu kraulen, während er das Tier strahlend anlächelte und sein Blick hell und leicht war. / / Sie hörte, wie er Wasser ließ, mitten in die Schüssel, das konnte er einfach nicht geräuschlos, egal, wie viele Gäste im Haus auch schlafen mochten. Sie lauschte auf die letzten Tropfen, hörte, wie er abzog. Sie hörte danach kein Wasser im Waschbecken, hörte nur, dass die Tür abermals geöffnet und geschlossen wurde, ehe er langsam die Treppe zur Küche hinunterging. Dann hörte sie, wie er Wasser in den Kaffeekessel gab, vermutlich auf den alten Kaffeesatz vom Vortag, danach war es still. / Und in der Stille gab sie sich alle Mühe, sich ihre Wohnung zu Hause in Oslo ins Gedächtnis zu rufen; die Bilder an den Wänden, die Bücher in den Regalen, die kleine Glasschale mit den blauen Badeperlen, den Staubsauger im viel zu engen Schrank auf dem Flur, den Anrufbeantworter, der blinkte, wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, den Korb für die schmutzige Wäsche, den Stapel von alten Zeitungen gleich neben der Eingangstür, die antike Blechdose, die sie immer wieder mit Keksen füllte, die Pinnwand mit abgerissenen Kinokarten und Bildern von Hunden und deren Besitzern. Sie versuchte, sich das alles vorzustellen, und schaffte es auch. Und freute sich. Aber sie wusste nicht, wer er war. Sie wusste nicht, wen sie hier verließ. Seine Schweine kannte sie besser als ihn. / Jetzt hörte sie die Haustür und seine Schritte im Anbau, ihre Finger griffen nach dem Telefon auf dem Nachttisch und drückten darauf, es war zehn vor sieben. Aber sie wartete zuerst auf das Geräusch der Stalltür, die hinter ihm ins Schloss fiel, ehe sie aus dem Bett sprang und durch das eiskalte Zimmer lief, ihre Kleider an sich riss und ins Badezimmer stürzte, um sich anzuziehen. Wie er, schlich auch sie. Nur tat sie es blitzschnell und nicht auf seine Altmännerweise. Im Badezimmer nahm sie noch schwach seinen Geruch wahr. Das Bad war kalt, die einzige Wärmequelle war eine kleine rostige Heizsonne, die über dem Toilettenspiegel an der Wand angebracht war. Sie musterte ihr Gesicht, während sie sich die Hände wusch, sie brachte es nicht über sich zu duschen, sie wollte warten, bis sie nach Hause kam,
Biografie (Anne B. Ragde)
Anne B. Ragde wurde 1957 im westnorwegischen Hardanger geboren. Sie ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Autorinnen Norwegens und wurde mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem mit dem Norwegian Language Prize und dem Norwegischen Buchhandelspreis. Anne B. Ragde lebt heute in Trondheim.Biografie (Gabriele Haefs)
Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. 2011 wurde Gabriele Haefs als Königlich Norwegische Ritterin des St.Olavs Ordens in der Norwegischen Botschaft in Berlin ausgezeichnet u.a. für ihre Übersetzungen, für die Vermittlung von norwegischen Büchern nach Deutschland sowie für das Knüpfen von Kontakten im Kulturbereich ganz allgemein.Anmerkungen:
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