Anne B. Ragde: Das Lügenhaus, Flexibler Einband
Das Lügenhaus
- Roman. Ausgezeichnet mit dem norwegischen Buchhandelspreis
- Originaltitel: Berlinerpoplene
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- Übersetzung:
- Gabriele Haefs
- Verlag:
- btb, 02/2009
- Einband:
- Flexibler Einband
- ISBN-13:
- 9783442738687
- Umfang:
- 334 Seiten
- Copyright-Jahr:
- 2009
- Gewicht:
- 317 g
- Maße:
- 188 x 120 mm
- Stärke:
- 27 mm
- Erscheinungstermin:
- 15.3.2009
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Klappentext
Band 1 des Nummer-1-Bestsellers aus Norwegen. Drei Generationen, drei Männer, ein dunkles Geheimnis. Trondheim in Norwegen: Als die Bäuerin Anna nach einem Schlaganfall im Sterben liegt, kommt die Familie nach Jahrzehnten erstmals wieder zusammen. Tor, der älteste Sohn, der den Hof übernommen hat und eine Schweinezucht betreibt, verständigt nicht nur seine beiden Brüder - Margido, der vor Jahren den Kontakt zum Elternhaus abgebrochen und sich als Bestattungsunternehmer selbstständig gemacht hat, und Erlend, der mit seinem Lebensgefährten als Schaufensterdekorateur in Kopenhagen lebt -, sondern auch seine Tochter Torunn, die er nur ein einziges Mal gesehen und vor seiner Familie verheimlicht hat. Nun, am Sterbebett der Mutter, hält ausgerechnet der unscheinbare Vater eine riesige Überraschung bereit, die das bisherige Leben in Frage stellt ... Ausgezeichnet mit dem norwegischen Buchhandelspreis.Auszüge aus dem Buch
Im Bootsschuppen stand die Hitze, Sonnenstreifen sickerten durch die Wandbretter, und dort, wo die Sonnenstreifen auf den Boden trafen, wuchsen kurze grüne Grasbüschel zwischen den Steinen hervor. Am liebsten hätte sie sich jetzt ausgezogen, um in den noch winterkalten Fjord hinauszuwaten, den Muschelsand unter ihren Fußsohlen zu spüren, die Tanglappen an Waden und Schenkeln vorbeigleiten zu lassen, ihn für kurze Zeit zu vergessen, ihn zu vergessen und sich desto mehr zu freuen, wenn er ihr wieder einfiel. / »Komm doch endlich, bitte.« / Sie hatte die Tür angelehnt und konnte hinausschauen. Draußen lag das Boot an Land, leicht schräg auf der Seite. Der Bug bohrte sich ins Wasser, kleine Wellen leckten schmatzend an den geteerten Brettern. Austernfischer jagten einander über die Wasseroberfläche, schwarzweiße Wuschel mit knallroten Streifen, benommen und ausgelassen von der Sonne und der plötzlichen Hitze. Alle sprachen über die Hitze, darüber, dass die warmen Sommer mit dem Frieden gekommen seien. Zwei Jahre Frieden im Land, und plötzlich war es wieder warm. Die Felder strotzten vor Korn und Saatkartoffeln, Beerensträucher und Bäume waren übersät von neuen Knospen, sogar die deutschen Bäume wuchsen wie besessen. In dem Frühling, in dem die Deutschen gekommen waren und mit dem Land gemacht hatten, was sie wollten, war es so kalt gewesen, dass bis weit in den Mai hinein in den Fjordarmen Eis gelegen hatte. / Noch immer freute sie sich über den Frieden und fragte sich, wie viel Zeit vergehen müsste, bis sie ihn so selbstverständlich nehmen würde, wie man das doch eigentlich sollte. Aber vielleicht kam die Freude auch noch von woandersher, von ihm. Sie hatte ihn im Friedenssommer kennengelernt. Wenngleich, kennengelernt. Sie hatte doch immer gewusst, wer er war, bei mehreren Gelegenheiten hatte sie sogar ganz normal mit ihm gesprochen, er kam ja auf alle Höfe, wie die meisten Menschen aus der Nachbarschaft. Aber plötzlich, an diesem Sommerabend auf Snarli, als sie draußen auf der Hofwiese saßen, nachdem sie den ganzen Tag mit Torfstechen beschäftigt gewesen waren, als sie schweißnass und benommen von Hitze und Anstrengung dasaßen, kam er von Neshov aus über die Felder geschlendert, und sie sah sofort, dass er zu ihr wollte. Ihr Körper verstand, jede Faser ihres Leibes wurde von ihm gesehen, ihr Hals, die schweißnassen Locken, die an ihrer Stirn klebten, die Hände, die sie hinter sich ins Gras stützte, die Waden, von denen sie wusste, dass sie braun und blank aus ihren Schuhen ragten, ihm entgegen. Irgendwer holte einen Becher Bier, das Bier brachte sie zum Lachen, auch er lachte, versuchte, vor allem die anderen anzulachen, aber sein Blick landete doch immer wieder bei ihr und machte sie schön, und als sie spürte, wie ihr Rocksaum ein wenig über ihre Knie glitt, dahin, wo die Oberschenkel sich nach innen wölbten, ließ sie ihn ein wenig weiter gleiten, und noch ein wenig weiter, und spreizte leicht die Knie, und sie lachte noch mehr und spürte den Schmerz, der ihr das Kreuz hochwanderte, so dass sie fast aufgejammert hätte. / Sie ging heimwärts, und er stand im Laubwald und wartete, sie durfte ihre Handflächen auf seine Haut legen und seinem Blick begegnen, und sie wusste, dass von jetzt an alles neu sein würde. Nicht nur der Frieden und dass sie im Laufe der Kriegsjahre erwachsen geworden war, sondern die ganze Welt, hier standen sie und erschufen die Welt, sie beide zusammen, Bäume und Boden wurden neu, der Fjord dort unten, der Sommerhimmel mit den jagenden Schwalben, als er den Kopf senkte und fest damit rechnete, dass sie seinen Lippen begegnen würde. / An das Ungeheuerliche daran verschwendete sie nicht einen einzigen Gedanken. / Da kam er! Allein, Gott im Himmel sei Dank. / Sie schluchzte auf und spürte, wie das Zittern einsetzte, ihre Beine überzogen sich in der stehenden Hitze mit Gänsehaut, ihr Mund trocknete aus. Er schwenkte die Arme, seine Stirn leuchtete blank u
Biografie (Anne B. Ragde)
Anne B. Ragde wurde 1957 im westnorwegischen Hardanger geboren. Sie ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Autorinnen Norwegens und wurde mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem mit dem Norwegian Language Prize und dem Norwegischen Buchhandelspreis. Anne B. Ragde lebt heute in Trondheim.Biografie (Gabriele Haefs)
Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. 2011 wurde Gabriele Haefs als Königlich Norwegische Ritterin des St.Olavs Ordens in der Norwegischen Botschaft in Berlin ausgezeichnet u.a. für ihre Übersetzungen, für die Vermittlung von norwegischen Büchern nach Deutschland sowie für das Knüpfen von Kontakten im Kulturbereich ganz allgemein.Anmerkungen:
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